Besuch in Bangladesch

Besuch in Bangladesch

Unsere Nachhaltigkeitsreferentin Yola im Interview
29 Jul 2016

Mitte Juni ist eine Gruppe von Kollegen aus Deutschland in unser Produktionsbüro nach Dhaka gereist. Vor diesem Hintergrund hat Hendrik Heuermann, Nachhaltigkeitsmanager H&M Deutschland, unsere Kollegin Yola Kiwok zum Interview gebeten.

Hi Yola, könntest du dich kurz vorstellen?

Ich bin seit Februar diesen Jahres Nachhaltigkeitsreferentin bei H&M. Im Sustainability Department kümmern wir uns darum, darüber zu berichten, was H&M global im Bereich Nachhaltigkeit macht. Außerdem wollen wir Kollegen zu mehr Nachhaltigkeit inspirieren.

Ich bin davon überzeugt, dass faire und umweltfreundliche Mode für alle möglich ist und beschäftige mich schon lange mit der Frage, wie man das noch besser umsetzen kann.

Ich habe Textilmanagement studiert und mich nebenher durch viele Praktika und Nebenjobs auf Nachhaltigkeit in der Mode fokussiert. Bevor ich zu H&M gekommen bin, habe ich u.a. bei der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bangladesch ein Projekt mit Textilarbeiterinnen betreut. Außerdem habe ich lange für den öko-fairen Onlinemarktplatz Avocadostore.de als Texterin gearbeitet und war in einer Nachhaltigkeitsberatung tätig.

Im Rahmen deiner Tätigkeiten vor H&M hast du Bangladesch bereits besucht – was hast du bei deinen Reisen dorthin erlebt?

Obwohl ich nur dreieinhalb Monate in Bangladesch war, habe ich so viel gelernt und erlebt, dass ich das gar nicht alles aufzählen kann.

Ich habe große Textilfabriken mit mehreren tausend Arbeitern gesehen, die für internationale Marken produzieren. Aber ich war auch in ganz kleinen Fabriken, die nur für den lokalen Markt nähen und in denen es überhaupt keine Kontrollen zur Arbeitssicherheit gibt. Ich durfte Näherinnen zu Hause besuchen und sie haben erzählt, dass sie Überstunden machen müssen, um von ihrem Lohn leben zu können, aber auch, dass die Mieten sofort angestiegen sind, als der Mindestlohn erhöht wurde. Ich habe das Gerbereiviertel von Dhaka gesehen und das hat mein Verhältnis zu Leder komplett verändert. Es gibt gute Gründe, warum H&M kein Leder aus Bangladesch kauft. Zudem habe ich das Land bereist und bin z. B. mit einem Schiff durch die wunderschönen Mangrovenwälder im Delta des Ganges gefahren.

Was hat das bei dir verändert, was waren für dich die großen Learnings?

Obwohl ich darin bestärkt wurde, dass es noch viele Probleme in textilen Lieferketten gibt, habe ich meinen Blick auf das Land verändert. Wenn wir in Deutschland über Bangladesch sprechen, dann meistens negativ: schlimme Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, katastrophale Überschwemmungen, extreme Armut und Hunger. Vereinfacht gesagt haben wir einfach Mitleid mit dem ganzen Land. Und ja, der Unterschied zwischen Arm und Reich ist extrem und es gibt viel zu tun, damit alle Menschen unter würdigen Bedingungen leben und arbeiten. Aber es gibt auch viele engagierte Menschen vor Ort – und ich meine Bangladeschis, keine Entwicklungshelfer – die stolz auf ihr Land sind und sich dafür einsetzen, dass sich etwas ändert. Ich hatte die Chance, einige dieser inspirierenden Menschen zu treffen. Zu den berühmteren davon zählen der „Erfinder“ des Social Business Muhammad Yunus und die sehr bekannte Arbeitsrechtlerin Nazma Akter, die als Kind selbst in einer Fabrik gearbeitet hat und sich seit vielen Jahren für die Rechte der Textilarbeiterinnen einsetzt. Weniger bekannt, aber mindestens genau so engagiert, waren z.B. eine Gruppe Studenten, die die Altstadt Dhakas vor dem Abriss bewahren, eine junge Filmemacherin, die Straßenkinder ermutigt, ihre eigenen Filme zu drehen und der Manager von Living Blue, einer Fairtrade Kooperative, die so edle Stoffe produziert, dass sie u.a. mit Galeries Lafayette zusammen arbeitet.

Statt nur mitleidig auf diese Menschen (herab) zu schauen, sollten wir ihnen auf Augenhöhe begegnen und fragen: Wie können wir von einander lernen und gemeinsam Lösungen finden?

Was hat dich bei deiner jetzigen Reise ins H&M Produktionsbüro beeindruckt?

Ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wie unsere Kleidung eigentlich entsteht. Bangladesch ist eines der wichtigsten Produktionsländer für H&M und das sieht man auch: In Dhaka kümmern sich über 600 Kollegen um die Produktion.

Es war toll, die Kollegen aus dem Nachhaltigkeitsteam kennenzulernen. Ich spreche so viel über ihre Arbeit, da ist es wichtig, sich persönlich zu treffen. Viele von ihnen arbeiten schon seit vielen Jahren für H&M – oftmals im Bereich Nachhaltigkeit – und haben die Veränderungen in der Branche selbst miterlebt. Es ist beeindruckend, wie engagiert sie sich dafür einsetzen, die Industrie langfristig und strukturell zu verändern.

Bei unseren Fabrikbesuchen haben wir mit Arbeiterinnen gesprochen und offen mit den Fabrikbesitzern diskutiert. Das war spannend und hat noch mal gezeigt, dass H&M ein geschätzter, aber auch anspruchsvoller Geschäftspartner ist. Viele andere Marken orientieren sich an unseren Standards.

Natürlich können wir uns trotzdem noch nicht zurücklehnen. Insbesondere Themen wie faire Löhne, Gewerkschaftsfreiheit und ganz besonders Wasser werden uns in Bangladesch (und anderen Produktionsländern) noch lang beschäftigen, weil sie nicht kurzfristig zu lösen sind. Aber ich bin davon überzeugt, dass die richtigen Leute vor Ort sind. Zusammen mit starken globalen Partnern wie z.B. IndustriALL und anderen Marken können wir diese Welt an diesem Ort ein bisschen besser machen.

Die hier genannten Informationen geben persönliche Meinungen wieder. Eine umfassende Übersicht über das nachhaltige Engagement von H&M findet Ihr auf hm.com/sustainability.

Anne

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